Nachwuchsforum

Kommentare zum Wert der Kunst
Science-Slam

Dienstag, 24. März 2015
13:30-15:15 Uhr, Philosophicum, Hörsaal P10

Moderation: Regine Ehleiter, Leipzig / Andrea Haarer, Mainz / Clara Wörs­dör­fer, Mainz

Mit ergänzenden Fragen, eigenen Forschungsansätzen und kritischen Impulsen kom­men­tieren die aus einer großen Zahl von Einsendungen Programm-PDF zum Science-Slam zum Kunsthistorikertag 2015ausgewählten Beiträge des Nach­wuchs­forums das Thema des 33. Deutschen Kunsthistorikertags "Der Wert der Kunst".

Wann und mit welcher Begründung lässt sich davon sprechen, dass ein bestimmter künst­lerischer Beitrag wertvoll ist und in welchem Kontext kann diese Aussage Ver­bind­lich­keit in Anspruch nehmen? Welche Rolle spielen verschiedene Institutionen bei der Wert­bil­dung? Wie steht es um die gesellschaftliche und politische Wertschätzung von Kunst und Künstlerinnen und Künstlern? Gibt es Kunstformen oder -praktiken, die, auch innerhalb der Kunst­wis­sen­schaft, gering geschätzt werden und was bedeutet es, nach den Gründen dieser Ge­ring­schätzung zu fragen? Wie kann Kunst Wertvorstellungen verhandeln oder sogar ihren eigenen Wert in Frage stellen? Kurz: Was kann die Kunst, was andere Dinge nicht kön­nen?

Das Nachwuchsforum ist als Science-Slam für Doktorandinnen und Doktoranden, wissenschaftliche Vo­lon­tärinnen und Volontäre und andere Nachwuchsakteurinnen und -akteure im Kunstfeld angelegt: Zwölf Vor­tra­gen­de halten dabei ein fünfminütiges Impulsreferat. Das kompakte Format er­mög­licht es, nach dem Schwarmprinzip möglichst viele, unterschiedliche Stimmen zu hören und dabei die Konzentration auf den Kern einer Fragestellung oder den Ausgangspunkt einer neuen Per­spektive zu erproben.

Zum Besuch des Nachwuchsforums sind alle Interessierten herzlich eingeladen.

 

Beiträge (s. auch Programm-PDF):

(1)
Maria Obenaus (Berlin)
Der Wert der Kunst für die Nation

Das Verzeichnis der national wertvollen Kunstwerke 1919 bis heute – eine Zusammenstellung von Objekten in deutschem Privatbesitz, deren Bedeutung für die Nation als so hoch eingestuft wird, dass deren Abwanderung ins Ausland "einen wesentlichen Verlust für den nationalen Kunstbesitz bedeuten würde" und damit per Gesetz der Genehmigung bedarf. Wie bestimmt sich seit 1919 der Wert der Kunst für die Nation?

(2)
Jenny Richter (Berlin)
Vom Aufschrei der Kunst im Jahr 1432: Lucas Mosers Inschriften am Tiefenbronner Magdalenenaltar

Der Tiefenbronner Magdalenenaltar besitzt eine der spektakulärsten und rätselhaftesten Inschriften spätmittelalterlicher Kunst: "Schri kvnst schri vnd klag dich ser din begert iecz niemen mer". Diese für die damalige Zeit ungewöhnliche Reflexion über den Wert von Kunst spiegelt zugleich das außergewöhnliche, nur mit seinem Zeitgenossen Jan van Eyck vergleichbare Selbstbewusstsein Lucas Mosers als Maler wider.

(3)
Franziska Lampe (Florenz)
Technik, die beängstigt – zur Furcht vor der Fotografie in der Avantgarde

Wie die Angst um den Wertverlust der Malerei die Fotografie erst richtig zur Geltung brachte: "Wir können uns sagen, dass dies furchtbar und das Ende jeglicher Kunst sei [...] – aber weshalb diese Mechanisierung aller Optik mit dem Namen Kunst belegen?" (Lyonel Feininger an Julia Feininger, 9. März 1925).

(4)
Jana Engel (Berlin)
A Coin Is Actually Just a Promise

In der zeitgenössischen Kunst und Kunstproduktion spielt die Verschränkung ästhetischer und ökonomischer Wertkonzepte eine wesentliche Rolle. Das Kunstwerk A Coin Is Actually Just a Promise nimmt diese kritisch in den Blick. Im Zentrum stehen Repliken des sogenannten Priamos-Schatzes. Anders als die Originale bestehen diese allerdings nicht aus Gold, sondern aus dem Verpackungsmaterial von Schokoladeneuromünzen.

(5)
Lukas Huppertz (Berlin)
(K)ein großer Wurf? Der Skulpturenschmuck des Weltgerichtsportals der Kathedrale von Reims

Mein Vorhaben, den gestalterischen Zusammenhang der Bauskulptur des Portals zu analysieren, stößt sich an einer Forschungstradition, die hier vor allem eine Versammlung stilistisch und qualitativ disparater Einzelstücke wahrnimmt. In Frage stehen somit die historische Bedingtheit und heimliche Wirkung kunstwissenschaftlicher Werturteile und die Rückprojektion moderner Vorstellungen von programmatischer Kohärenz und ästhetischer Qualität auf die gotische Bau- und Bildpraxis.

(6)
Kathleen Reinhardt (Berlin)
Theaster Gates – Der Wert von Blackness und ihr spekulatives Potenzial

Der afro-amerikanische documenta 13 Künstler Theaster Gates stellte sich an einem Wendepunkt seines künstlerischen Schaffens die einfache Frage: Wie kann man die spekulative Gier des zeitgenössischen Kunstmarkts nutzen, um als wertlos erachtete Objekte, Orte und Narrative mit monetärem Wert aufzuladen und dabei zugleich eine eigenständige künstlerische Praxis zu entwickeln? Eine kritische Analyse dieses faszinierenden Perpetuum mobile aus Selbstexotisierung, Kunstmarktverlangen und kulturellem Kapital.

(7)
Anna Hagdorn (Zürich)
Mehr Wert im Depot. 50 Jahre Erhaltung oder zwei Jahre Sichtbarkeit?

Eine als unbedeutend eingestufte chinesische Querrolle liegt unbeachtet im Depot. In 50 Jahren lässt sie sich nicht mehr entrollen, da ihr Papier brüchig geworden ist. Dieselbe Querrolle wird in einem musealen Vermittlungsprojekt zum Hauptakteur. In zwei Jahren ist ihr Papier abgegriffen und eingerissen. In beiden Fällen ist die Querrolle für die Nachwelt verloren.

(8)
Sebastian Baden (Karlsruhe)
Superlativkunst

Das Kunstwerk The Finest Art on Water von Christian Jankowski sorgte an der FRIEZE Art Fair in London 2011 für großes Aufsehen. 60 Millionen Pfund sollte die Mega-Yacht kosten und wäre damit noch kein Kunstwerk gewesen. Erst die Signatur aus Chrombuchstaben inklusive Aufpreis hätte das Statussymbol Schiff mit dem Attribut "Kunst" bezeichnet. Mein Beitrag zeigt auf, mit welcher semiotischen Strategie Christian Jankowski die Grenzen des Kunstmarkts erweitert.

(9)
Monika Motylinska (Berlin)
Architektur ohne Wert? Das architektonische Erbe der Nachkriegszeit in Deutschland

Ist die Architektur der Nachkriegszeit tatsächlich so wertlos, wie viele ihrer Rezipienten glauben oder glauben machen wollen? Welche Wertvorstellungen stecken hinter dieser Überzeugung? Schließlich kommt seit einiger Zeit vermehrt die Frage auf: Sind diese Bauwerke wirklich so hässlich? Die örtliche Kulisse zeigt, insbesondere im Fall der aktuellen Debatte über das Mainzer Rathaus, dass die Vermittlung zwischen dem Fachdiskurs und dem öffentlichen Diskurs meist nicht reibungslos verläuft.

(10)
Jenny Lehrl (Marburg)
Raphaels Schädel – Der Wert der Kunst für die Phrenologie

Die Auseinandersetzung mit Schriften des Mediziners Franz Joseph Gall (1758-1828) wirft Fragen nach dem Wert der Kunst für die medizinische Praxis auf: Welchen Wert haben Künstler und ihre Werke für die Phrenologie? Wie wertvoll sind Künstler als Anschauungsobjekte und welche Messwerte können aus Bildern generiert werden? Welchen Unterhaltungswert bieten Künstler für medizinische Vorträge und wie gelingt über Kunst eine Wertsteigerung wissenschaftlicher Erkenntnisse?

(11)
Katarina Schorb (Karlsruhe/Mainz)
Schlechter, dafür teurer. Kippenbergers Kunstmarktkritik in den Medusa-Lithografien

Im Jahr 1996 schuf Martin Kippenberger eine Edition von 14 Lithografien zum Motiv "Das Floß der Medusa" und widmete eine Mappe dem Lithografen Peter Johansen. Die persönlichen Widmungen steigern den Marktwert, verletzen jedoch ästhetische und ethische Wertvorstellungen. Die materielle Wertsteigerung erfolgt somit auf Kosten immaterieller Werte, wodurch Kippenberger den Kunstmarkt in Frage stellt.

(12)
Sarah Maske (Karlsruhe)
Die neue Kunst im Widerstand

Ein möglicher (Mehr-)Wert künstlerischer Praxis für politisch motivierten Widerstand soll in Anlehnung an die im Jahr 2014 am ZKM/ Zentrum für Kunst und Medientechnologie kuratierte Ausstellung "Global Activism" diskutiert werden. Gibt es Wechselwirkungen zwischen zeitgenössischer Kunst und politischem Widerstand?

 

Für die großzügige Unterstützung danken wir der Gerda Henkel Stiftung.

Gerda Henkel Stiftung

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